Ministerin für Umwelt und Forsten

Jägervereinigung Burg Wernerseck e.V.
RA Dieter Rollmann
Bahnhofstraße 9
56626 Andernach
www.wernerseck.de



Ministerin für Umwelt und Forsten
Staatsministerin Margit Conrad
Kaiser-Friedrich-Straße 11

55116 Mainz

18.10.2005


1. Landesverordnung über die Fütterung und Kirrung von Schalenwild
2. Abschaffung der Jagdsteuer



Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Frau Staatsministerin Conrad,

die Jägervereinigung Burg Wernerseck e.V. besteht seit nahezu 40 Jahren als privater Zusammenschluss von Jägern aus dem hiesigen Raum außerhalb der offiziellen Jagdorganisationen. Als Präsident der Jägervereinigung Burg Wernerseck e.V. erlaube ich mir zu den im Betreff näher bezeichneten Punkten nachfolgende Fragen und Anmerkungen. Ich bitte um Ihre Antwort bzw. um Ihre Stellungnahme.

1.

Die Landesverordnung über die Fütterung und Kirrung von Schalenwild (Schwarzwild) ist seit dem 01.09. des Jahres in Kraft.

Hier ist zunächst für mich nicht nachvollziehbar, dass bei der Erarbeitung dieser Verordnung neben dem Landesjagdverband eine Vielzahl von sach- und fachfremden Organisationen ein gleichberechtigtes Mitspracherecht hatten. Wäre bei der Beratung dieser Verordnung mehr auf die Praxis geschaut worden und nicht dem Lobbyismus das Wort geredet worden, wäre eine praktikablere und sachgerechtere Lösung entstanden.

Ich finde es zunächst gut und sachgerecht, wenn die Menge je Kirrung begrenzt wird, wenn als Kirrmittel ausschließlich Getreide zugelassen ist und das Kirrmittel in den Boden eingebracht wird. Vertretbar ist das Verbot des "automatischen Kirrens".

Falsch und kontraproduktiv ist jedoch die Begrenzung der Anzahl der Kirrstellen. Durch diese Begrenzung wird die nach wie vor effektivste und selektivste Möglichkeit der Jagd auf Schwarzwild, nämlich die Ansitzjagd, aus völlig unerfindlichen Gründen drastisch eingeschränkt und behindert.

Wenn in einem Revier mit z.B. einer Jagdfläche von 400 ha jetzt noch 4 Kirrstellen zugelassen sind, bedeutet dies, dass eine sinnvolle Ansitzjagd nur von 4 Jägern gleichzeitig durchgeführt werden kann. Hierdurch wird die Möglichkeit der effektiven Bejagung von Schwarzwild schon rein personell eingeschränkt. Warum?

Im Übrigen ist diese Verordnung diesbezüglich auch nicht in Übereinstimmung zu bringen mit den Appellen auch Ihres Hauses aus den vergangenen zwei Jahren angesichts der Gefahren der Schweinepest den Schwarzwildbestand drastisch zu reduzieren. Die Jägerschaft ist fast geschlossen und mit sehr viel persönlichem Engagement diesen Appellen gefolgt und erntet nun den Dank dafür.

Wie wollen Sie im Übrigen die Impfköder bei der nächsten Schweinepest, die so sicher kommt, wie die nächste Landtagswahl, ausreichend verteilen, wenn nur vereinzelt Kirrstellen vorhanden sind? Nur eine gleichmäßige und flächendeckende Ausbringung der Impfköder kann den Erfolg solcher Aktionen gewährleisten. Hierzu reicht eine Kirrung pro 100 ha bei weitem nicht aus.

2.

Gibt es in Ihrem Hause Überlegungen zur Abschaffung der längst überfälligen Jagdsteuer? Wie Ihnen bekannt ist, ist dieses Relikt aus m vorvorigen Jahrhundert in den allermeisten Bundesländern zwischenzeitlich abgeschafft worden, weil man erkannt hat, dass diese Steuer - im übrigen ähnlich wie die ehemalige Fischereisteuer - ungerecht und ungerechtfertigt ist und im übrigen wegen des damit verbundenen Verwaltungsaufwandes auch uneffektiv.

In unserem Verein haben wir zwischenzeitlich - nachdem Versuche über die offiziellen Zusammenschlüsse der Jäger in Rheinland-Pfalz wenig Erfolg versprechend waren - eine Initiative gestartet, um die Abschaffung der Jagdsteuer zu beschleunigen. Wir werden nach dem "Kreuznacher Modell" versuchen die einheimischen Jagdpächter dazu zu bewegen, Fallwild grundsätzlich nicht mehr zu entsorgen. Dies hätte letztendlich zur Folge, dass die jeweiligen Träger der Straßenbaulast die Entsorgung von Fallwild veranlassen und finanzieren müssten. Die hierdurch entstehenden Kosten wären - siehe auch hier "Kreuznacher Modell" - deutlich höher, als die Einnahmen aus der Jagdsteuer.

Sehr geehrte Frau Conrad, ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie zu den vorstehenden Fragen mir Ihre Antworten und Stellungnahmen kurzfristig zukommen lassen würden. Mein Schreiben wollen Sie bitte als Anregung und konstruktive Kritik verstehen. Dieses Schreiben ist initiiert aus der Sorge daraus, dass durch ungerechtfertigte und unsachgemäße Einflussnahme die Jagd und damit der Schutz der heimischen Natur und des heimischen Wildes letztendlich nicht mehr möglich sein werden.

Damit Sie die Jagd und die Jäger mit ihren Sorgen und Nöten und auch mit ihrer Freude an der Jagd einmal in der Praxis kennen lernen können, lade ich Sie herzlich zu einem Nachtansitz auf Schwarzwild (an einer genehmigten Kirrung) ein.

Mit freundlichen Grüßen

Dieter Rollmann